Ersatzreligionen
22. Dezember 2009 | Von Willi | Kategorie: PolitikIn den letzten Monaten/Wochen/Tagen stelle ich mir beim Durchlesen diverser Zeitschriften, Blogs und sonstigen Informationslieferanten immer wieder die Frage wie viele Glaubensrichtungen denn im Moment kursieren.
Mir als Agnostiker kann das zwar prinzipiell völlig egal sein, jedoch erstaunt es mich immer wieder, wie schnell Ersatzreligionen in Mode kommen. Terry Pratchett hat es in einem seiner Romane (Einfach göttlich; orig.: small gods) treffend dargestellt. Die Stärke eines Gottes hängt von der Anzahl seiner Gläubigen ab, hat derjenige Gott keine Leute mehr die an ihn glauben ist er so gut wie tot (oder es geht ihm verflixt schlecht).
Was macht man in so einem Fall? Man sucht sich einen neuen (alternativen) Gott, da der Mensch offensichtlich die Neigung hat, an etwas glauben zu wollen. Und dieser neue Gott braucht natürlich auch adäquate Propheten. Und natürlich einen Satan, denn wenn es keinen Bösen gibt, dann weiß am Ende keiner wer der Gute ist. Dazu noch eine großzügige Unterstützung allseits bekannter Medien (Ersatzbibel) und fertig ist das Rezept.
Als jüngstes Beispiel kann man natürlich den Klimagipfel (Konzil) nennen, wo Klimaforscher (Propheten) ihre Beweise (Vorhersagen) präsentieren und weltweit Reaktionen bei den Gläubigen auslösen und die Medien (Ersatzbibeln) alles brav wiedergeben. Die Klima-Häretiker (Satan) werden selbstverständlich in den Tartaros verwünscht, denn wenn jemand versucht dem Propheten zu widersprechen, hat er entweder nichts verstanden und ist einfach zu dumm, oder er ist ein imperialistisch, materialistisch, kapitalistisch verblendeter Ketzer (oder so was in der Art). Die Theorie schützt sich selbst…
Weitere Beispiele für Ersatzreligionen sind natürlich auch der Nationalsozialismus, der Kommunismus, die Esoterik, die Besetzung des Audimax, die Politik und andere mehr oder weniger beliebte Geschichten. Hauptsache es gibt immer einen (Ersatz-)Propheten (oder besser noch einen Auserwählten), eine (Ersatz-)Bibel und einen (Ersatz-)Satan. Das schafft jede Menge Gläubige und bringt dem (Ersatz-)Religionsstifter reichlich Geld.
Cum hoc ergo propter hoc
Je nach zeitlicher Abfolge auch post hoc ergo propter hoc. Das ist ein sehr beliebtes Werkzeug, welches sich für jede Art von Religionsgründung, aber auch für Verschwörungstheoretiker bestens eignet (vom Journalismus rede ich noch gar nicht). Damit das Ganze glaubhaft herüberkommt, ist es besser mehrere Stufen zu verknüpfen. Dann wird es komplizierter und dadurch weniger durchschaubar. Es wirkt somit professioneller.
Ich versuche das jetzt einmal selbst: Vulkane enthalten Magma – Magma besteht aus Siliziumdioxid – Wüstensand besteht aus Siliziumdioxid -> ergo: Wüsten sind kalte Vulkane
Dann finde ich, dass man beruhigt ans Christkind glauben kann, wenn man will…
Weitere Artikel:

Es ist richtig, dass Menschen an etwas glauben wollen und das wird von Menschen ausgenutzt die Macht erlangen wollen oder Ziele durchsetzen wollen, die schwer zu erklären sind…
Ich glaube auch nicht an den Klimakatastrophenhokuspokus. Zum Beispiel aus diesem Grund: http://www.cicero.de/97.php?item=4541
Jedoch finde ich es gefährlich Nationalsozialismus, Kommunismus, Esoterik, Besetzung des Audimax, Politik und andere mehr oder weniger beliebte Geschichten in einen Topf zu werfen! Denn wenn du schon so anfängst dann bitte nimm noch: Sport, Medien, Kultur und ähnliche Dinge auf.
Lieber Jürgen,
ich hätte auch Sport, Medien, Kultur und ähnliche Dinge wählen können. Aber wie kommst du drauf, dass ich meine aufgezählten Dinge in einen Topf werfen möchte, nur weil sie zufällig in einer Aufzählung sind? War ich jetzt der Prophet? Oder hast du bloß geglaubt?
Danke für den Link, war sehr interessant
Ich glaub dir halt mal
Ich frage mich: Können Menschen ohne Ersatzreligionen überhaupt existieren? Was wäre der Sinn des Lebens? Was sind deine Ersatzreligionen? Sex, Drugs and Rock’N'Roll?