Eine Schande für alle Heteros
26. September 2009 | Von Andy | Kategorie: PolitikZugegeben, heiraten sollte man sich ein paarmal überlegen, am besten in Etappen. Es gibt da ja viel zu bedenken, das wird auch der Grund sein, warum ich es erst mit 44 gewagt habe. Bis dahin dachte ich, ich werde bis zu meinem Tod auf jedem Amt die übliche Doppelconference mit dem Beamten haben wie folgt:
- Familienstand?
- Ledig
- Sie meinen “geschieden”?
- Nein, ledig!
- In ihrem Alter?
- Ja!
- Schwul?
- Nein…
- Sie glücklicher…..
Das hätte mMn. ewig so weitergehen können, wer muss schon heiraten? Noch dazu als Atheist? Ohne Kinder? Und ohne Hang zur körperlichen Treue? Es kam dann doch der Tag, als ich die Frage stellte, aber da fing der Ärger erst an. Erstens war die Frage in dieser Situation mehr als unromantisch (das konnte ich ausbügeln), zweitens war da die Sache mit der Kirche, da traf ich auf Verständnis. Dann ist da die Zeit der Vorbereitungen, vor allem der Kosten, was ohne Mitgift und ohne Rücklagen ziemlich schwierig ist, denn nicht nur die Braut stellt sich eine grosse Zeremonie vor, sondern auch Verwandte und Freunde. Nachdem das abgehakt war, ohne Gästeliste, sondern ganz unkonventionell per Rundruf – Wer an dem Tag Zeit und Lust hat, soll vorbeikommen, wir feiern im eigenen Garten, kein Dresscode – war das auch erledigt
Soweit, so toll bis dahin, wären da nicht die Behörden!
Ich bin Wiener, der seit 1997 offiziell in OÖ lebt, meine Frau ist Deutsche, die in etwa auch schon solange in Österreich lebt und arbeitet. Nach dem ersten Antrag am hiesigen Magistrat wurde ich darüber aufgeklärt, dass ich eine Bescheinigung aus Wien brauche, dass ich überhaupt heiraten darf. Es handelte sich um einen EDV-Ausdruck einer gültigen Geburtsurkunde (die ich im Original sowieso hatte). Diesen Papierfetzen musste ich mir aber vom zuständigen Amt in Wien PERSÖNLICH holen, weil sie sowas, angeblich wegen schlechter Zahlungsmoral der Bundesländer, nicht mehr verschicken und ich das gefälligst vor Ort einzahlen soll. Das hat enorm Zeit und ein paar Euro gekostet, wozu das Papierl überhaupt notwendig ist, wussten weder die Beamten in Wien, noch die in Wels. Interessant war dann auch noch, dass ich bei dieser 30 minütigen Prozedur im Amtshaus in Hietzing mit 5 Beamten in 4 Zimmern zu tun hatte, die alle nebeneinander liegen, ich wurde stets aufgefordert, kurz draussen zu warten, um dann von der nächsten Tür aus aufgerufen zu werden. MA2412 ist ein Dreck dagegen. Als ich dann einen schnöden A4-Zettel aus einem Laserdrucker mein Eigen nannte, war ich nicht nur schwer enttäuscht, eher fassungslos!
Damit aber noch nicht genug, nachdem das erledigt war, wurde uns mitgeteilt, dass meine Frau ein sogenanntes “Ehebefähigungszeugnis” aus Deutschland braucht. Mein Vorschlag, das gleich hier vor Ort (da war eine Couch) zu beweisen, hat noch nichtmal ein Lächeln erzeugt…. Ok, also uU. noch ein paar hundert Kilometer fahren wegen so eines Wischs, es war Freitag nachmittag. Ich ruf also dort am Amt des letzten deutschen Meldeamts meiner Frau an und erfahre, dass das kein Problem sei, sie schickt das sofort weg, per Nachnahme!!!! Es ist auch kein Problem, dass ich das im Namen meiner Frau bestelle, weil die gerade arbeitet, es ist ja bloss ein Ausdruck, eine Bestätigung, ob sie schonmal verheiratet war, und nicht mehr. Montag war der Brief da, man glaubt es kaum, und es hat nur ein Drittel meines Zettels gekostet, vom Benzin und meiner Zeit mal abgesehen.
Das ist schon einmal eine Schande für unsere Bürokratie
….und ein Beweis, dass die Politik zwar Arbeitsplätze schaffen kann, aber scheinbar bloss unnötige, und die auch noch unkündbar macht. Sehr gefreut haben wir uns, dass unser Bürgermeister trotz vollem Terminkalender kurz vor oder nach der Zeremonie ( so genau weiss ich das nicht mehr, aber wer jemals geheiratet hat, versteht das) vorbeigeschaut und mit uns angestossen hat. Es war zwar nicht die riesen Feier, ohne Flitterwochen, nur standesamtlich, aber es war ein super Tag! Nicht nur das Wetter hat gepasst, auch die Verwandten und Freunde, die gekommen sind, werden wir nie vergessen, immerhin wars ein Dienstag. Geändert hat sich jetzt nach 3 Jahren in unserer Beziehung nichts, zum Glück weder privat noch wirklich rechtlich, ausser eben Rechte und Pflichten, die wir alleine nicht gehabt hätten. Wir haben eher einen Nachteil, weil gemeinsamer Haushalt, ergo Sippenhaftung, was Finanzamt, Pensionskasse etc. anbelangt.
Jetzt die Schande schlechthin:
Laut Marco Schreuders Presseaussendung wurde bekannt, dass die Homoehe jetzt auf eine Autoanmeldung reduziert werden soll. Es geht scheinbar gar nicht so sehr um die rechtliche Basis (die eh nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile bringt), sondern um die Optik. Und das ist nicht grauslig, wie Marco das schreibt, das ist schäbig, feig und daher eine grosse Schande! Es ist nämlich nicht nur eine Schande, weil klerikale Strömungen noch immer bestimmen, was gut und schlecht ist, es ist beschämend für jeden Hetero, der jemals Politiker gewählt hat, die nicht zu ihrem Wort stehen! Im Mai wurde nämlich versprochen, dass das Gesetz zur Homoehe spätestens im Herbst beschlossen werde, zwar ohne Adoption erstmal udn viel zu komplziert, aber doch vor dem Standesamt. Und da gehe ich davon aus, dass Homos die gleiche Prozedur zusteht, wie mir auch! Und dass sie anschliessend mit ihren Verwandten und Freunden schön feiern dürfen, und nicht, dass ein Vertreter die “Taferln” vorbeibringt, oder gar der Postler. Es sollte auch bei Homoehen ab und zu der Bürgermeister vorbeischauen, immerhin sind das seine Wähler und Steuerzahler, eventuell…
Auch wenn diese Prozedur formulartechnisch trotzdem saublöd sein kann
Weitere Artikel:
