Vernunft und Emotionen in der Politik
23. September 2009 | Von Andy | Kategorie: PolitikPanem et circenses – Brot und Spiele, wurde den antiken Römern vom Senat verordnet, um von eigener Unfähigkeit und diversen Missetaten abzulenken. Man kann aus der Geschichte ziemlich viel lernen, aber niemals 1:1 ummünzen. Zum Beispiel ist es einfach lächerlich, zugelassene Parteien und deren Wähler ständig als Nazis zu beschimpfen, erstens ist das eine grobe Verharmlosung der Geschehnisse rund um den WK2, und zweitens schürt es nur weiter (aktuelle) Agressionen und bietet leider keine Lösungsansätze. Schlimmer noch, es verschärft jetzt sogar seit circa 20 Jahren den Unmut über die Zuwanderungsbefürworter, vor allem aber über die Steigbügelhalter dieser Situation, von der Wiener SPÖ bis zu den Grünen und fast sämtlichen NGOs. Grossteils gute Arbeit wird von innen, also aus sich selbst vernichtet und behindert, das Image sinkt ins Bodenlose und statt sich endlich einmal der Realtiät zu stellen, wird noch mehr beschimpft und andersdenkende noch nicht einmal ignoriert. Heute hatte ich zwischendurch einmal kurz in so eine der Sitzungen unseres “Senats” gezappt, also ins Parlament. Was da oft übertragen wird, sollte eigentlich jeden Wähler zum fremdschämen bewegen. Wenn dann aber ein Herr Buchner vom BZÖ ganz offen sagt, dass ein Antrag von BZÖ und den Grünen gemeinsam durchgebracht wurde, wird das nicht etwa goutiert, sondern es wird weiterhin Salz in die offene Wunde gestreut…BZÖ und Grüne? Niemals! Man könnte also am Stil arbeiten in der Politik, es sei denn, man erachtet derartige Ausgrenzungen anderer Parteien und deren Wählern als Spiel – Brot wird dadurch allerdings keines verteilt. Die Römer besänftigten das Volk also scheinbar schlauer, und das sogar ohne Demokratie!
In Oberösterreich geht der Wahlkampf jetzt in die sogenannte “heisse Phase”, und durch das Ergebnis in Vorarlberg noch ein wenig rauher als geplant, nehme ich an. Die FPÖ braucht nichts ändern, sie hat dort ja (dazu)gewonnen. Die SPÖ sollte sich Sorgen machen, tut sie aber nicht, es wird noch immer der Anspruch gestellt, die Wahl als Sieger zu beenden. Die ÖVP unter Pühringer macht nicht den gleichen Fehler wie Sausbruber, irgendeine Partei von vornherein auszuschliessen, sonst könnte sich ja eventuell der Zorn aus Voralberg über Sausgruber nach der Wahl vor der hiesigen Wahl womöglich noch auf unentschlossene ÖVP-Wähler auswirken. Welcher Zorn, wird sich jetzt mancher fragen: Der Zorn an den Stammtischen, dass 25% faktisch übergangen werden!
Die Grünen tun das, obwohl sie hoffen, überhaupt 10% zu bekommen, vernageln sie sich selbst die Tür zum Wähler – die Tür zu vielleicht 25% FPÖ-Wählern, die möglichweise eh Grün wählen würden, wenn da nicht die Ignoranz des Migrationsproblems und die Affinität zu den (teils schon als dubios gesehen) NGOs wäre… Und natürlich der Beissreflex, wenn jemand in diesen Fragen anderer Meinung ist und sofort mit der Nazikeule mundtot gemacht werden soll, ganz faschistischer Stil also. Dass man fast täglich bei Gewalttaten Namen wie Zelko oder Ücgür liest, kümmert diese Leute nicht, es kümmert sie leider auch nicht, wenn in Wien ein Rene Zivilcourage beweist und jetzt mit einem Jochbeinbruch im Spital liegt – es ist schon lange kein Verdacht mehr, sondern leider eine Tatsache, dass nur mehr dann empört aufgeschrien wird, wenn derjenige dunkelhäutig ist oder zumindest einen Migrationshintergrund hat.
Die ÖVP braucht sich nicht wirklich viele Sorgen zu machen um Platz 1, da sollte sich der Herr Haider nichts vormachen. Haimbuchner schwimmt auf der Strache-Egger Welle sowieso mit und wird ziemlich sicher mehr Stimmen einfahren als die SPÖ, zumindest aber ähnlich viel. Denn im Zentralraum ist die FPÖ stark, und den ländlichen Bereich deckt das Lagerhaus ab. Das hat zwar ein grünes Logo, aber so wirklich tragen die Grünen Ideen auch nicht bis ins letzte Eck – dafür waren die 6 Jahre zu wenig. Es wird der SPÖ auch nichts nützen, wenn der Herr Faymann jetzt tönt, dass etwas getan werden muss bei Migrationsfragen, denn dazu hatten er und seine Partei lange genug Gelegenheit. Es wird auch nichts nützen, dass Herr Haider die schwarz-grüne Koalition seit Jahren frontal angreift, er hat einfach keinen Sympathiebonus geschafft dadurch. Im Grunde genommen sind die Wähler von ÖVP-Grüne mit dem Ergebnis der letzten 6 Jahre zufrieden, bis auf ein paar emotionale Themen, wie etwa die Farce um die Familie Zogaj, die seit Jahren ständig für negative Schlagzeilen und Steuergeldverschwendung sorgt. Der Unmut über dieses Kasperltheater betrifft beide Partner, die Grünen, weil sie ständig rechtsstaatliche Entscheidungen mit Worten wie “human” und “Menschenrecht” beugen wollen, und die ÖVP, weil sie als klerikalkonservative Partei nicht den Mumm hat, einen Pfarrer, der offensichtlich die Justiz behindert, nicht wenigstens anzeigt. Das schürt Emotionen, und dazu gehört auch die Agression.
Ich bin deshalb sehr froh, dass ich heute einen Blogartikel von Christoph Chorherr lesen durfte, indem er das Prinzip der Emotionen und Leidenschaften in der Politik (allgemein und in der eigenen Partei) wieder in einem vernünftigen Rahmen sehen will. Lieber Christoph: Das würde ich auch gerne!
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