Eine Lanze für die Homos
11. Juni 2009 | Von Andy | Kategorie: PolitikDer Titel darf jetzt nicht missverstanden werden, es geht um die alte Redensart, die Lanze zu zerbrechen. Ich mag Schwule und Lesben genauso wie alle anderen Menschen auch, die einen mehr, die anderen weniger, oftmals, wie bei Heteros auch, einen Part eines Pärchens mehr, den anderen Part weniger bis gar nicht. Ich schätze Homos sogar extrem wegen ihrer Fähigkeit, im (leider zur Zeit ignorierten) Geschlechterkampf beide Seiten zu sehen und beraten zu können. Der einzige Unterschied zu männlichen Heteros, den ich bisher ausmachen konnte, war der, dass ich so manch schräges Erlebnis vermutlich niemals ohne Schwule erlebt hätte, Eifersüchteleien sind eben genderfrei
Was mich jetzt motiviert, gerade heute diesen Text zu schreiben, kann ich gar nicht so genau sagen, aber während der Wahl wäre er sowieso untergegangen und langes Wochenende bei Regenwetter ergibt eben genug Zeit, however….
Ich persönlich dachte, alleine weil ich zur (körperlichen) Treue nicht fähig bin und gleichzeitig Atheist bin (bis aufs fliegende Spaghettimonster, daran glaube ich), dass ich sowieso nie heiraten würde. Aus Rücksicht auf die möglicherweise potentielle “Doch-Ehefrau” bin ich nie aus der Kirche ausgetreten, noch dazu, weil ich dieser ja rein rechtlich auch nie selbst beigetreten bin. Aber man weiss ja nie, eines Tages lernt man jemanden kennen, der/die besteht auf eine kirchliche Hochzeit, und man müsste mühsam eintreten und einen Haufen Geld abdrücken (was man übrigens sowieso muss). Schlussendlich hats mich mit 44 Jahren doch noch “erwischt”, allerdings nur standesamtlich, was auch kompliziert und teuer genug war, das nur so nebenbei….
Jetzt frage ich mich als jemand, der dieses Recht zwar immer hatte, aber eigentlich davon ausging, dass er es sowieso nie in Anspruch nehmen würde, wieso dieses Recht anderen verwehrt wird? Was ist so schlimm daran, wenn zwei Menschen heiraten? Wenn so manche Kirche meint, sie braucht keine Homos, selber schuld. Aber welches Recht hat der Staat, sich in derartige Dinge einzumischen? Wieso geht auch nur irgendjemand davon aus, dass meine Frau und ich adoptierte Kinder besser erziehen könnten als Homos?
Weitere Artikel:

Ich bin zwar kein Katholik, aber gibt es in der Kirche nicht irgendwelche Regeln, die eine Heirat zwischen zwei Menschen regeln ? Ich denke schon und die werden besagen, das für eine Hochzeit ein Männlein und ein Weiblein Voraussetzung sind. Korrigieren Sie mich bitte, sollte ich falsch liegen.
Meiner Meinung nach geht es hier nicht um Recht, sondern um Regeln und Traditionen.
Ich glaube auch das Sie meinen erst kürzlich geschriebenen Beitrag “Toleranz für Schwule TEIL 2″ kennen und meine Meinung zu diesem Thema kennen.
Mag sein das ich eine konservative Einstellung zu gewissen Themen habe, aber zwischen Toleranz und Zwangsbeglückung mache ich persönlich einen Unterschied.
MfG
Stauni
Kirche hat sich nicht in den Staat einzumischen, Punkt! Egal, welche……
Da gebe ich Ihnen recht, aber ging es in Ihrem Beitrag nicht um eine “kirchliche Heirat” ?
Diese hat meines Wissens ja nicht zwangsläufig mit der Standesamtlichen zu tun.
MfG
Stauni
Nein, nicht wirklich. Denn auf eine Kirche, die Homos ablehnt, können diese bestimmt gerne verzichten. Es geht darum, dass es wiedermal bloss einen Gesetzesentwurf gibt, der das standesamtliche Heiraten ermöglichen soll, aber erstens ist der noch nicht durch und zweitens wurde die Adoption aussen vorgelassen……
Nun, wie gesagt bin ich kein Katholik und nehme daher die Kirche keineswegs in Schutz.
Aber sollte nicht auch einer Religionsgemeinschaft und zwar egal welcher, das Recht auf freie Meinungsäußerung zugestanden werden ?
Freie Meinungsäusserung sollte jeder Staatsbürger geniessen dürfen, aber darum geht es nicht. Es geht um die Diskriminierung einer Personengruppe aufgrund ihrer Lebensart oder wie immer man das bezeichnen will oder kann.
Diskriminierung ist oft ein subjektiver Eindruck. Jene die kritisieren werden das nicht so sehen, wie diejenigen die kritisiert werden.
Wenn ich richtig informiert bin, dürfen geschiedene auch nicht mehr kirchlich heiraten, auch wenn sie Kirchensteuer bezahlen, jeden Sonntag in die Kirche gehen und sonst ein frommes Leben führen.
Das heisst das die Personengruppe der Geschiedenen ebenfalls diskriminiert werden.
Diese Beispiele liessen sich wahrscheinlich unendlich fortsetzen und werden nicht nur die Regeln von Religionsgemeinschaften betreffen.
MfG
Stauni
Mir gehts aber ausnahmsweise nicht um Religionen, sondern um Gesetze
Jetzt bin ich aber verwirrt. In Ihrem Artikel ging es doch um Homosexualität und kirchliche Heirat.
Zugegeben wird die Kirche noch einen geringen politischen Einfluss haben, der aber auf die
Gesetzesgebung keinen Einfluss haben wird.
Ihr Zitat:
————————————————————————————
Mir gehts aber ausnahmsweise nicht um Religionen, sondern um Gesetze
—————————————————————————————————-
Werter Andy, die Kirche macht bei uns (gottseidank) keine Gesetze.
MfG
Stauni
Nein, mir gehts mitnichten um kirchliche Heirat, die habe ich ja auch bis jetzt vermieden, es geht darum, wieso meine Frau udn ich vor dem Gesetz anders behandelt werden als Homopaare
Nun, ich sehe das so und das ist ausschliesslich meine persönliche Meinung.
Wenn Sie und Ihre Frau heiraten hat dies weitgehend den Sinn, dass Sie Kinder zeugen, die
wiederum dasselbe tun. Dadurch ist gewährleistet das die menschliche Rasse nicht ausstirbt.
Abgesehen davon das diese Nachkommen sich in den Arbeitsprozess eingliedern und wiederum
die Alten und Kranken erhalten. So sieht der Optimalfall aus, die offensichtlich der Grund dieser gesetzlichen Bestimmungen ist und das seit sehr, sehr, sehr langer Zeit.
Wie soll das bei Homosexuelle funktionieren ?
MfG
Stauni
PS: Bitte jetzt keine kinderlosen Ehepaare als Gegenbeispiel anführen. Danke
Wie soll ich das PS ausser acht lassen, wenn ich mit 44 eine ältere Frau heirate und dadurch (unter anderem) aus dieser Ehe sowieso keine Kinder hervorgehen können? Wir könnten aber jederzeit welche adoptieren, ohne den Spiessrutenlauf, den Homos hätten, wirds jetzt klarer?
Ich habe gewusst das dies kommt, darum habe ich auch das “PS” geschrieben.
Gehe ich halt etwas tiefer. In der Regel sind kinderlose Ehepaare in der Minderzahl gegen Ehepaare die Kinder haben. Soviel zur Fortpflanzung und Arterhalt.
Und nun eine persönliche Frage:
Wie hätten Sie sich als Kind gefühlt, wenn Sie von zwei Männern von der Schule abgeholt worden wären, wo der eine der Papi und der(die) andere die Mami gewesen wäre ?
Glauben Sie allen Ernstes, das Sie Ihre Schulzeit ohne psychischen “Knacks” überlebt hätten ?
Hat aufs Herz, bevor Sie eine Antwort geben.
MfG
Stauni
Hand aufs Herz brauche ich nicht, keine Sorge. Wie habe ich mich gefühlt mit einem Vater, den ich erst mit 16 zufällig kennengelernt habe, und der sich als Vollidiot herausgestellt hat, als den ihn so mancher schon vorher beschrieben hat? Mit einer Mutter, die vier Kinder versorgen musste und deshalb bloss erschöpft von Freitag bis Sonntag daheim war, weil der Idiot keine Alimente gezahlt hat? Und mit drei relativ erwachsenen Brüdern und einer Oma (seine Mutter übrigens), die sich die Aufgabe geteilt haben, mich zu erziehen?
Wäre das mit zwei Schwulen oder zwei Lesben (und deren Familien) viel anders gewesen?
Sehen Sie, das Fehlen des Vaters hat Ihnen schon Probleme bereitet, sonst würden Sie nicht so emotional darüber schreiben. Klar, ist ja auch gegen die gelebte Norm, wenn ein Elternteil, aus welchen Grund auch immer, nicht vorhanden ist.
Jetzt können Sie sich vorstellen, wie es einem Kind ergehen muß, das zwei gleichgeschlechtliche Eltern hat. Denn dies ist ganz sicherlich gegen die gelebte Norm in unserer Gesellschaft.
Homosexualität ist für mich eine sexuelle Neigung. Jene die diese Sexualität bevorzugen, sollen sie auch ausleben, jedoch nicht anderen damit auf den Geist gehen.
In unserer Gesellschaft ist die gelebte Norm jene, das ein Elternpaar aus einem Mann und einer Frau besteht und da beisst die Maus keinen Faden ab.
MfG
Stauni
Wieder falsch, denn ich hatte das Glück, drei “Väter” zu haben
Und das einzige Problem, das ich mit meinem Vater hatte, war wirklich das erste Zusammentreffen in einem Alter, als ich dachte, er kann eventuell nichts dafür und blablabla………
Aber er war halt mir gegenüber ein Arschloch!
Da sich unsere Diskussion im Kreis zu drehen beginnt, beende ich sie meinerseits.
Es sei Ihnen unbelassen die Dinge so zu sehen, wie Sie sie sehen. Allerdings passen Sie beim brechen dieser Lanze auf, das Sie sich keinen Splitter einziehen.
Gute Nacht und
mit freundlichen Grüße
Stauni
Danke, ich wünsche auch eine gute Nacht, und mit Splittern habe ich eh schon so meine Erfahrungen, also keine Sorge
*rofl* die diskussion überrascht mich jetzt allerdings wirklich….
gelebte norm – heiraten zum kinderkriegen *brrrr* da rennt mir die gänsehaut auf!
ich möcht keine norm leben – sondern so, wie’s mir spaß macht und wie’s für mich passt.
und ich wollte nicht heiraten, um kinder kriegen (zu dürfen/sollen/müssen), sondern weil ich mich mit diesem mann damals so verbunden sah, dass ich mein leben mit ihm (und kindern) verbringen wollte.
inzwischen bin ich geschieden – leb also nicht mehr “in der norm” – und meine kinder halten das sehr gut aus. (denen ist es übrigens wichtiger, ob ein mensch sie respektiert, als ob dieser mensch ein mann oder eine frau ist).
in meiner kindheit wars noch “was besonderes”, wenn die eltern einer schulkollegin geschieden waren – heutzutage ist das relativ normal. obs den kindern so sehr schadet?
genauso normal könnte es sein, wenn ein kind von zwei männern oder zwei frauen von der schule abgeholt werden würden.
ich glaub, kinder leiden am meisten drunter, wenn eltern icht aufrichtig sind / sein können – wenn sie zusammenleben und sich ohne respekt und liebe zuhause begegnen! wenn eltern sich eigentlich gegenseitig nur mehr auf die nerven gehen (meine eltern waren nicht so – aber ich eine zeitlang als elternteil – vor der scheidung), sich anlügen, dauernd streiten oder gar ein “doppelleben” führen/müssen. das schadet den kindern! wenn sie nicht auf die aufrichtigkeit und liebe ihrer eltern vertrauen können!
es gibt staaten, da ist es “norm”, dass kinder von verschleierten frauen abgeholt werden. da beißt die maus keinen faden ab? (was is das überhaupt für ein seltsamer ausdruck)…
@ eli-k: sehr gut zusammen gefaßt!!
@ Stauni: “In unserer Gesellschaft ist die gelebte Norm jene, das ein Elternpaar aus einem Mann und einer Frau besteht …”
WIESO muss man sich dieser Norm beugen? Es ist eine uralte Norm, die meiner Erfahrung nach schon lange ins Wanken geraten ist.
Ich bin als Krankenschwester sehr viel mit Menschen / Familien in Kontakt gekommen und was ich da gesehen, gehört und erlebt habe zeigt mir, daß diese aufgezwungene Norm dringend hinterfragt gehört!
WARUM müssen zwei Menschen überhaupt heiraten, glaubt die Gesellschaft wirklich, dass damit eine Garantie für eine bessere Partnerschaft bzw. Familie gegeben ist? ( was ich ernsthaft bezweifle) Wenn sie sich aber dazu entscheiden, dann sollte es auch vom Gesetzt her möglich sein – egal ob nach der fest gefahrenen Norm: Mann & Frau oder eben Mann & Mann oder Frau & Frau.
Die fade Ausrede, dass Kinder Schaden nehmen könnten, wenn sie in einer Homoehe aufwachsen bezweifle ich sehr, denn den Schaden den sie davon tragen in einer klassischen Familie, wo die Eltern sich nur noch streiten und die Fetzen fliegen ist enorm!
Nein, Garantie für eine gute Hetero-Partnerschaft gibt es genauso wenig, wie es eine Garantie für eine gute homosexuelle Partnerschaft gibt. Erstaunlich ist nur, dass Sie bei der Hetero immer die schlechten oder missglückten Partnerschaften ins Rennen führen.
Ob die Kinder einen Schaden nehmen werden ? Mit Sicherheit “JA” den sie werden dem “Spott” ihrer Mitschüler ausgesetzt sein und Kinder können sehr grausam sein.
Warum man sich gelebten Normen beugen “muss” ?
Ein kleines Beispiel: Österreich hat auch eine Freikörperkultur, dessen Anhänger(innen) es bevorzugen ohne Kleidung herumzulaufen. Dies tun sie zwangsläufig in dafür vorgesehenen Arealen, den es ist ausserhalb der gelebten Norm, auf der Strasse nackt herumzulaufen, obwohl das im Hochsommer bei 30Grad sicherlich angenehmer wäre.
Solche Beispiele gelebter Norm gibt es endlos und sie sind nunmal Tatsache.
MfG
Stauni
Gelebte Normen sind aber nicht in Stein gemeisselt, sondern entstehen. Und nur wenn sich gegen einzelne Normen Widerstand regt, egal ob laut oder schleichend, können sie sich verändern. Solange es Leute gibt, die gegen Homoehen oder gar gegen Homos an sich sind, werden es die “normierten” Kinder natürlich zum Mobbing ausnutzen, Schuld daran sind aber nicht die Homos oder die Kinder, sondern deren Eltern mit ihren mittelalterlichen Ansichten
Das ist korrekt. Aber derartige Veränderungen, soferne sie überhaupt möglich sind, gehen nicht über Nacht. Für solch tiefgreifende Veränderungen in unserer Gesellschaft, wird es vermutlich etliche Generationen benötigen.
MfG
Stauni
Na das macht ja nichts, die Welt wurde ja auch nicht wirklich in 7 Tagen erschaffen
Ich glaube ich werde demnächst einen Artikel über “gelebte Normen” und deren Auswirkungen schreiben.
MfG
Stauni