Politically incorrect

Die Saat

20. Mai 2009 | Von Andy | Kategorie: Politik

Es wird von den Grünen momentan so gerne von der Saat gesprochen, die jetzt aufgeht. Oliver schreibt hier:

Harald Walser hat’s trefflich formuliert: Die Saat geht auf. Die Saat des immer selbstbewusster agierenden rechten Randes.

Er schreibt auch weiters:

Nachdem bereits die Wahlkampfslogans “Abendland in Christenhand” plakatiert wurden, schaltete die  FPÖ (mit Straches bekanntem Zahnpastalächeln und EU-Wahl Spitzenkandidaten Andreas Mölzer) nun ein völlig aus der Welt gegriffenes, hetzerisches und meiner Meinung nach anti-israelisches Inserat. Darin wird gegen einen EU-Beitritt der Türkei gewettert, der ohnehin die nächsten 10 Jahre nicht anstehen würde und vor einem EU-Beitritt Israels gewarnt.

Da kann ich ihm völlig kritklos zustimmen, was die Herrschaften hier abziehen, ist an Dodelei kaum mehr zu überbieten! Nachdem sich die Grünen scheinbar wieder auf ihre Gründungswerte besinnen, zumindest sprachlich, im Business würde man es Kerngeschäft nennen, nämlich Umwelt und Natur, schliesse ich mich dem an und schreibe jetzt etwas blumiger über “die Saat”.

Die Grünen haben die Saat nicht gesät.

Die Saat wurde auch nicht von der FPÖ gesät, sie wurde vom Kabinett Kreisky gesät, als ihnen ein Jörg Haider zu gross wurde und später dann, als ihnen ein honoriger UNO-General genauso den Sieg wegschnappen hätte können und schlussendlich auch konnte. Jörg Haider war vieles, aber bestimmt kein Neonazi oder Rechtsradikaler, er wurde bloss in dieses Eck gestellt. Ich behaupte sogar, dass dieses Eck damals erst erfunden wurde! Wie später bekannt wurde, gab es in ALLEN Parteien Ex-Nazis, die FPÖ war nicht der Sammelpunkt, als der sie immer hingestellt wurde, Dreck am Stecken hatten alle Parteien. Dass die Nazikeule funktionierte, verdankt die SPÖ auch einem Simon Wiesenthal, der keine Gelegenheit ausliess, den Schuldkult aufrecht zu erhalten, Muzicant macht das nicht viel anders. Um bei der blumigen Sprache zu bleiben:

Die alten Pflanzen waren noch da, wären aber eigentlich ausgestorben.

Bevor die SPÖ aber Stimmen verliert, praktiziert sie, vor allem in Wien, die seltsamsten Dinge. Stehen Wahlen vor der Türe, müssen Wähler mobilisiert werden, wenn nötig, werden eben welche gemacht. Es wurden scharenweise Gastarbeiter zu Inländern gemacht, damit sie schnellstmöglich Anspruch auf eine Gemeindewohnung haben. Dafür können die Grünen nichts, sie waren damals sowieso bedeutungslos, auch die FPÖ war das, die SPÖ wollte nur gegen die ÖVP gewinnen. Da in der Politik auch vor Wahlen (hoch)gerechnet wird, wurden deratige Dinge nicht thematisiert vom möglichen Koalitionspartner – Jörg Haider tat das! Er war ja neuer Parteichef einer Kleinpartei.

Und prompt wurde gesät, was man selbst gar nicht mehr ernten kann, weil man bis dahin eh schon selber Humus sein wird.

Wie gesagt, Jörg Haider war alles andere als ein Nazi, seine Eltern möglicherweise, er bestimmt nicht. Man konnte hervorragend mit ihm diskutieren, er hatte eine Gesprächskultur, die ein Strache niemals erreichen wird, Gerhard W. Loub hat hier einen passenden Vergleich geschrieben.

Dr. Kurt Waldheim war mit 17 Jahren bestimmt kein Massenmörder, und bei zwei Amtsperioden als UNO-Generalsekretär über jeden Zweifel erhaben, Fred Sinowatz und der Zentralrat der Juden haben trotzdem dafür sorgen können, dass Österreich als Naziland dasteht, nur weil die SPÖ einen profillosen Arzt aus der Steiermark ins Rennen schickte. Damit hatten die Grünen auch nichts zu tun, keine Frage. Wieso ich die Grünen dennoch ständig erwähne?

Die Grünen sind der Dünger, der die Saat aufgehen lässt!

Statt sich ums Kerngechäft zu kümmern, zum Beispiel die positive Meldung, dass Daimler bei Tesla eingestiegen ist, bieten sie den Straches dieser Welt die nötige Plattform, halten die Begriffe Nazi und Holocaust künstlich am Leben und verlieren eine Stimme nach der anderen an die “rechtsextremen” und wundern sich dann auch noch, wenn die Wähler das nicht mehr hören können.!

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13 Kommentare
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  1. Ihre Zitat:
    ————-
    Jörg Haider war vieles, aber bestimmt kein Neonazi oder Rechtsradikaler, er wurde bloss in dieses Eck gestellt.
    oder: Wie gesagt, Jörg Haider war alles andere als ein Nazi,…

    Nachdem der Mann tot ist, erspare ich mir jeglichen Kommentar. Allerdings eine Frage kann ich mir nicht verkneifen. Jörg Haider sagte betreffend Waldheim´s Vergangenheit:

    Bei ihm sei jemand erst ein Kriegsverbrecher, wenn der Nachweis erbracht wurde das er 6(!) Juden eigenhändig ermordet hat.

    Wie würden Sie die politische Gesinnung eines Mannes deuten, der so eine Aussage getätigt hat

    MfG
    Stauni

  2. Sorry muss mich korrigieren, das war Graf.
    Haider sprach lediglich von einer “ordentlichen Beschäftigungspolitik” im Dritten Reich.
    Meine Frage bleibt daher aufrecht.
    MfG
    Stauni

  3. Ja, das mit der ordentlichen wird aber auch seit ewiger Zeit hochgehalten. Erstens war er damals recht jung, zweitens ist es aus dem Zusammenhang gerissen und bestätigt wenigstens meinen Text, denn da ging es um eine hitzige Debatte zur roten Arbeitslosenpolitik und ein Zwischenruf, dass er argumentiere wie jemand aus dem Dritten Reich liess ihn vorschnell diesen dummen Sager machen.

    Ich habe ihn das mal gefragt, ist schon ziemlich lange her, aber das weiss ich noch: Er meinte, es war natürlich dumm und unüberlegt, aber wenn man gute, alternative Ideen bringen will und nur ständig die gleichen Dinge statt Argumenten zu hören, reisst einem eben der Geduldsfaden – das kann/konnte ich verstehen, denn mir gehts ja oft nicht anders ;-)

  4. Da der Mann tot ist und sich nicht wehren kann, enthalte ich mich jeglichen weiteren Kommentares.
    Das heisst jedoch nicht, dass ich Ihnen beipflichte oder gar Ihrer Meinung bin.
    Schade das ich mein Online Magazin erst nach dem Tode von Haider ins Leben gerufen habe (Spätberufener), sonst könnte ich auf diesbezüglich geschriebene Artikel verweisen.
    MfG
    Stauni

  5. Naja, ich kritisiere Kreisky und Wiesenthal, wieso nicht auch Haider? Wie ich ihn kennengelernt habe, hätte er nichts dagegen, er hat sich auch nie ein Blatt vor den Mund genommen.

  6. Ich habe da meinen eigenen Ehrenkodex. Auf jemanden der sich nicht mehr wehren kann, trete ich nicht hin. Für eine Ausnahme müsste der(die)jenige Person eine besonders eine perverse Persönlichkeit gewesen sein (z.B. Massenmörder Adolf Hitler)
    MfG
    Stauni

  7. Wie auch immer, das ändert nichts an meiner eigenen geschichtlichen Wahrnehmung und Beobachtung der Entwicklung.

  8. Habe ich zur Kenntnis genommen, allerdings haben Sie meine Frage nicht beantwortet, sondern sind wie die Katze um den heissen Brei herumgeschlichen.
    Wie würden Sie die politische Gesinnung eines Mannes deuten, der von einer ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich spricht.
    Lassen wir den Namen Haider raus, und nehmen wir an diesen Ausspruch hätte Mayer oder Müller getätigt.
    MfG
    Stauni

  9. Ok, dann würde ich sagen (im echten Zusammenhang), dass er nicht unrecht hat. Nicht alles war schlecht in der Zeit, und explizit von Sklaverei ist in dem Zitat nichts vorhanden….

  10. Diese Aussage finde ich erstaunlich. In einem Regime das einen Weltkrieg anzettelt und zusätzlich 6(!) Mio Menschen auf Grund ihrer Religion ermordet, gibt es nichts was “nicht schlecht war”.
    Das Ende dieses Mörderregimes war ohnehin mehr als eindeutig. Schade das man nicht alle Naziverbrecher erwischt hat oder vielleicht auch erwischen wollte. Die Urteile im Nürnbergerprozess waren viel zu human. Ich hätte einige KZ offengelassen und jene Mörder dort einquartiert bis sie das selbe Ende gefunden hätten, wie jene Leute die sie umgebracht haben.
    Das ist meine Meinung dazu.
    MfG
    Stauni

  11. Wieso werden die “Errungenschaften” des römischen Reiches sogar an den Schulen unterrichtet, aber über die Zeit zwischen der Wirtschaftskrise und 1955 werden nur Zahlen über Todesopfer vermittelt? Wieso wissen die Jugendlichen nichts über den kalten Krieg, aber “Heil Hitler” können sogar Rote Falken schreien?
    Haben sie sich das schon einmal gefragt, während sie vor dem Spiegel standen?

  12. Ihr Zitat:
    ———-
    Wieso werden die “Errungenschaften” des römischen Reiches sogar an den Schulen unterrichtet,….

    Vielleicht liegt es daran das die Römer keine Frauen und Kinder in die Gaskammer schickten.

    Mein Schlusswort zu diesem Thema:
    —————————————————
    Krieg ist eine Sache und Leute wegen ihrer Rasse, Herkunft oder Religion umzubringen ist wieder eine ganz andere Sache.
    Kriege wird es immer geben, sowie es auch die Siegerjustiz immer geben wird. Kriege waren und sind leider immer noch ein wirtschaftlicher Faktor auf unserem Planeten und bei diesem wird es immer wieder Tote auf beiden Seiten geben. Bedauernswert aber leider Realität.

    Es wäre noch “einzusehen”, wenn ein Regime ihre politischen Gegner tötet, aber Kinder, Frauen und alte Leute zu vergasen oder auf sonstig perverse Art umzubringen, hat mit Krieg nichts zu tun, sondern zeigt auf wie “Kopfkrank” solche Leute waren.

    Ich hoffe mit meiner Antwort Ihren Spiegel etwas gereinigt zu haben.
    MfG
    Stauni

  13. Da bin ich ja voll bei ihnen, aber genau darum geht es mir:

    Wieso wissen die jungen Leute mehr über Mauthausen und Ebensee als über die letzten 30 Jahre? Die meisten wissen ja noch nichtmal, was an ihrem Geburtstag vorgegangen ist…….. Und da sehe ich das Problem, denn dieses dumme Schlagwort “Niemals vergessen” macht die doch erst neugierig, und leider – wie man ja sieht – bringts genau nix, nur Unruhe!

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