Politically incorrect

Die “arme” Jugend

16. Mai 2009 | Von Andy | Kategorie: Politik

Angeregt durch einen Artikel von Dr. Harald Walser und eine kurze anschl. Diskussion in seinem Blog mache ich mir auch hier meine Gedanken zum Thema. Ausgangspunkt ist, wie bei einigen anderen Bloggern auch, dass sich der Bildungssprecher der ÖVP Gedanken macht über Aufnahmetests für die AHS – das passt den Grünen offensichtlich gar nicht. Für mich wieder einmal ein Zeichen für das Paradoxe an dieser Partei. Einerseits sind Die Grünen nämlich gegen jede Differenzierung und dadurch Bildung von elitären Strukturen, andererseits sehen sie sich selbst als elitäres Völkchen an, als einzige weltoffen, gebildet, human und scheinbar allwissend.

Ich gebe dem Herrn Dr. Walser schon recht, wenn er meint, dass sich die Schule ja nicht um alles kümmern kann (in Bezug auf generelle gesellschaftlich Probleme), aber immerhin ist gerade seine Partei meiner Meinung nach hauptverantwortlich für viele unserer momentanen Probleme. Wie schon in einem anderen Artikel angesprochen, finde ich es nicht sehr schlau, erst beide Geschlechter mit aller Macht auf den Arbeitsmarkt zu werfen, um im Anschluss daran Gebärmaschinen aus dem Ausland zu holen, um die daraus resultierenden Abstriche in der Pensionspyramide auffangen zu wollen. Ok, das geht nicht von den Grünen alleine aus, sondern ist ein fast gemeinsames Projekt von Rot und Grün. Diese Entwicklung kann man nicht mehr rückgängig machen, nur stoppen, und mit dieser Situation muss man eben umgehen können und nach Lösungen suchen.

Die Situation scheint momentan so zu sein, dass der Arbeitsmarkt übersättigt ist, zuviele Kinder von ungebildeten Migranten mit der viel zu gering vertretenen Anzahl von einheimischen Kindern in den gleichen Klassen sitzen, und der Schule und damit den Lehrern die nicht gerade beneidenswerte Aufgabe zuteil wird, die groben Unterschiede nicht nur auszugleichen, sondern die mangelnde Erziehung der durch die berufstätigen Eltern zu kompensieren. Es ist ja eine Krux, dass die einheimischen Eltern (beide Teile) grossteils, wie es sich halt so gehört, arbeiten gehen bzw heutzutage ja schon fast müssen und dadurch wertvolle Erziehung auf der Strecke bleibt bzw. abgeschoben wird, und die Kinder der zugezogenen  aus dem Süden und Osten ihre Mütter zwar daheim haben, diese ihre Kinder wenig bis gar nicht (Buben) und/oder  ganz anders ( die Mädchen) erziehen, weil sie aus einer anderen Kultur kommen, andere Sprachen sprechen und teils andere Religionen haben. Bei aller Toleranz und Offenheit anderen Sitten, Gebräuchen, Religionen, Kulturen und Mentalitäten gegenüber, aber man muss kein Strache-Wähler sein, um zu erkennen, dass das so nicht zusammenpasst.

Es wurde in den letzten 40 Jahren derart viel herumgewurschtelt am Schulsystem, dass es ja kein Wunder ist, wenn nix gscheites dabei herauskommt. Was spricht gegen Eignungstests, den Frontalunterricht, A- und B-Zug in der HS, wieso kommt diese blöde rote Idee der Gesamtschule immer wieder auf? In Wien gab es in den 70ern einmal die sogenannte “experimentelle Gesamtschule”, das war ein Riesenflop, und diejenigen, die diese 4 Jahre durchgemacht haben, sind gestraft fürs Leben. Ich weiss das, weil ich durch Zufall einige “Absolventen” kennengelernt habe.

Als ich ins Gymnasium kam, hatten wir Trimester, ganz neu waren Energieferien (haben ihre Berechtigung längst verloren, wurden aber nicht abgeschafft, sondern bloss umbenannt), Frontalunterricht und im Schnitt 38 Schüler pro Klasse. Das war Alltag und der war gar nichtmal schlecht. Wir hatten Gratisbücher und durften gratis die Öffis benutzen. Vor allem war aber meistens jemand Zuhause, wenn wir heimkamen, ansonsten wurde eben das Halbinternat in Anspruch genommen. Die meisten von uns hatten noch kein Fernsehgerät (manche dafür schon welche in Farbe) und die Hausaufgaben wurden im Schnitt in 2 Stunden erledigt, vor allem aber wurden sie VOR der Freizeit gemacht und sofort kontrolliert. Es gab in der Schule zwar kein Rohrstaberl mehr, dafür aber ab und zu die gsunde Watschn daheim, und ich muss sagen, die paar, die ich kassiert habe, sind mir bis heute in Erinnerung, vor allem aber, warum ich sie bekommen hatte. Die hatten parktisch alle mit der Schule zu tun, weil die Lehrer vor allem für die Eltern noch Respektspersonen waren, deren Qualfikation daheim nur in einem einzigen Fall nicht angezweifelt wurde. Es gab wesentlich häufiger Hausarrest, verschärft wurde der, wenn man sein Zimmer nur zum Essen verlassen durfte oder zur Toilette musste.

Heutzutage wären die Anschuldigungen zumindest Kindesmisshandlung, Haus- oder gar Zimmerarrest sind im Zeitalter von Facebook und Co. , eigenem TV-Gerät, Spielekonsole und MP3-Player eher eine Belohnung denn eine ernste Konsequenz. Die Klassenzahl wurde sukzessive minimiert, der Frontalunterricht abgeschafft und die Lehrer sind alles andere als Respektspersonen, die paar, die ich kenne, leiden eher unter Burn-Out Syndrom und Frustration. Und dann meint ein Nationalratsabgeordneter, der noch dazu selbst Lehrer ist, dass Amokläufe an Schulen eher ein gesellschaftliches Problem sind und kein schulisches!

Geehrter Dr. Walser: Ihre Partei hat massgeblich dafür gesorgt, dass es massive gesellschaftliche Veränderungen gegeben hat in den letzten 40 Jahren, schieben sie also nicht die Verantwortung beiseite und denken sie einmal an ihre eigene Schulzeit zurück, ob gewisse Entwicklungen nicht doch falsch waren, diese muss man eben wieder korrigieren, dazu muss man nicht ständig neue Experimente starten, sondern kann auch ausnahmsweise ganz gut konservativ denken ;-)

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Ein Kommentar
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  1. Sie haben meine Gedanken noch viel exakter ausgeführt, als ich es bei Dr. Walser selbst angedeutet habe. Ich bin nicht in allem Ihrer Meinung, doch im Grundtenor gebe ich Ihnen vollständig recht.
    Zu meiner Zeit waren die Schulbücher noch nicht gratis, doch es gab diesen Schulbuchhandel, bei dem man sich mit der Erstinvestition der ersten Klasse bis zur 8. Klasse durch geschicktes Verhandeln forthangeln konnte. Daneben gab es noch die Schülerlade für wirklich Bedürftige.
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    Und offen gestanden war ich als Austauschschüler in den USA tatsächlich sehr stolz auf unser Schulsystem, auch wenn es eine Ergänzung durch manche amerikanische Eigenarten gut anwenden hätte können. Die Schulbibliotheken, das Kursfach “Problems of Democracy” und die durchaus übliche Verwendung von Projektarbeit. Statt dessen klagt man nur darüber, “wie viel” die armen, armen Schüler lernen müssen, statt dass man einen Schlüssel einführt. Für drei Stunden Lernen dürfte man 1 Stunde Computerspielen genehmigen. Die Realität sieht eher umgekehrt aus.
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    Naja, da gäbe es noch Vieles.

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