Vorkonziliarische Ära
21. März 2009 | Von Andy | Kategorie: Politik
Markus Gansterer schreibt in seinem Blog zurecht:
Der Papst reist wie der Elefant im Porzellanladen durch Afrika. Dabei greift er nicht einfach wiederholt in die Scheiße, nein, er haut so richtig drauf!
Nach dem Fauxpas mit den Pius-Brüdern und dem Holocaustleugner und der (fast)Ernennung des Herrn Wagner zum Weihbischof von Linz, pflügt er jetzt munter durch Afrika und verbreitet so skurrile Ansichten wie “Kondome machen AIDS nur gefährlicher” und “Abtreibung ist böse, auch wenn die Mutter sterben könnte durch die Schwangerschaft”. Diese Haltung gilt natürlich auch, wenn eine 9-Jährige durch Missbrauch mit Zwillingen schwanger wurde, wohlgemerkt auch noch die mitwirkenden Helfer.
Man fragt sich, ob dieser Mensch (und mehr ist Joseph Alois Ratzinger schliesslich ja nicht) nicht zuviel englisches Rindfleisch gegessen hat in den 80er Jahren? Da arbeiten ganze Heerscharen von Hilfsorgansiationen seit bald 30 Jahren in Dritte-Welt-Ländern, um Produkte zu verteilen (an denen der Vatikan übrigens gut verdient), versuchen, den Menschen zu erklären, dass sie die kleinen Gummidinger auch verwenden sollen, und dann predigt der doch glatt Enthaltsamkeit und Spiritualität als Geheimwaffe – klingt stark nach den muslimischen Fanatikern!
Aber nicht nur die Arbeit der Organisationen und Staaten, die sich um die Thematik gekümmert haben, macht er zunichte, sondern auch die unermüdlichen Versuche seines Vorgängers, den Menschen Hoffnung und damit Freude zu vermitteln (zugegeben, auch Vojtila hat Kondome und die Pille nicht gerade gepriesen), Brücken zwischen den Religionen zu schlagen, die kath. Kirche umzubauen zu einer halbwegs modernen Institution, und eine gewisse Vermittlerrolle zu erarbeiten – mit anderen Worten: Ernst genommen zu werden.
Ich habe in den letzten Jahren recht oft von Muslimen gehört, dass das Problem des Islam im Moment die Führerlosigkeit ist, dass also dem Islam so etwas wie ein Papst fehlt – dass also die Abschaffung des Kalifats durch Atatürk zwar gut gemeint war, aber jetzt so ziemlich jeder Depp nicht nur Imam werden kann, sondern auch noch hoch angesehen. Seien wir froh, dass die Muslime momentan keinen Kalifen haben, der könnte nämlich auch aus Bayern kommen!
Nehmen wir das weltfremde in seiner Aussage bezüglich Kondome einmal unter die Lupe:
Nehmen wir an, eine spirituell, also gläubig lebende, verheiratete und natürlich treue Krankenschwester, verheiratet mit einem die gleichen Werte hochhaltenden Ehemann, kümmert sich um aidskranke Patienten – sie dürfte sich niemals anstecken, denn sie verwendet ja keinerlei Kondome, wozu auch? Der Papst müsste also genau genommen auch Gummihandschuhe verbieten, denn wer nach seinen Werten lebt und handelt, dem kann ja nichts passieren – Gott würde das ja niemals zulassen. Irgendein Pressesprecher des Vatikan wird natürlich auch für dieses Argument eine dubiose Antwort finden, aber egal, mir wäre die Hölle eh lieber, da is bestimmt mehr los und Harfen finde ich scheusslich
Nüchtern betrachtet, vom atheistischen Standpunkt, kann man sich aber auch fragen, ob er nicht vielleicht sogar ein Ziel verfolgt – bloss welches?
Der Papst ist ein Staatsmann, nüchtern betrachtet. Er ist der Chef eines eigenständigen, sehr reichen Staates, vermutlich sogar der reichste Staat der Erde, auf die Bewohner des Vatikan bezogen sowieso. Dieser Staat lebt aber von den “Steuern”, in diesem Fall zusammengesetzt aus ein paar “Kirchensteuern” und vor allem Spenden. Viele Menschen hinterlassen ihr ganzes Hab und Gut der Kirche im Todesfall. Ok, die werden weniger in den westlichen Ländern, und in Afrika wird noch immer munter drauflos vermehrt, aber das nützt ja nichts, wenn er diese Leute schneller in den Tod schickt, denn gerade die Ärmsten können ja nichts vererben, noch dazu, wenn sie jung sterben.
Nächster Versuch, dahinter einen Plan zu sehen:
Gott gehen langsam die Leute aus, die Wolken werden zwar immer grösser, aber immer leerer, weil die Menschheit in den Untergrund drängt (freie Interpretation des Religionsunterrichts in den 70ern bei den Piaristen in Wien). Will er etwa auf die wachsende Konkurrenz des Islam reagieren, indem er mehr “Schäfchen” auf “Wolke Gott” bringt als die Konkurrenz auf “Wolke Allah”? Da wird er es schwer haben, ohne Jungfrauen anzubieten. Er ist also auch noch ein Versager, was Marketing anbelangt. Das kann es also auch nicht sein.
Letzter Versuch:
Er stützt sich wie jeder Politiker auf Statistiken, die ihm Hieb- und Stichfest sagen, dass trotz AIDS ohne Kondome mehr Kinder geboren werden und überleben. Das wäre zumindest eine logische Überlegung – nicht Qualität, sondern Quantität. Das hätte sogar etwas Darwinistisches, so nach dem Prinzip der natürlichen Auslese. Immerhin würde er damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Gott hätte relativ schnell mehr Belegung da oben und der Vatikan hätte trotzdem mehr “Steuerzahler”. Das wäre durchaus Staatmännisch. Bis auf zwei Haken: Die Rechnung geht nicht lange auf, denn ohne Kondome sterben auch die Überlebenden früher oder später an AIDS, gegen Viren kommt keine Religion an. Und zweitens wäre er dann ein Zyniker, und das passt so gar nicht in das Bild eines modernen Papstes.
Will er also nur provozieren?
Das wäre anzunehmen, aber nach langem überlegen komme ich zu dem Schluss, dass das mehr schadet als es bringen kann. Provokation ist oftmals gut, ich mache das sogar liebend gerne, um Reaktionen zu lukrieren, aber ich kann es mir leisten, der Vatikan schon lange nicht mehr!
Konklusio:
Ich würde dem Herrn Ratzinger dringend empfehlen, folgenden Urintest zu machen:
http://science.orf.at/science/news/152476
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