Politically incorrect

Zum Thema Feinstaub

14. März 2009 | Von Andy | Kategorie: Politik

Angeregt durch eine sehr nette Diskussion mit Eli Kerschbaum möchte ich mal ein paar Dinge in den Raum werfen  Ich bin in Wien (Nähe Raimundtheater) aufgewachsen in einer Zeit, als der Europaplatz keine Drehscheibe für die Bim war, sondern ein öffentlicher Park. Es war eine Zeit, als ausnahmslos alle Taxis in Wien gelbe Mercedes 200D/8 waren, warum, weiss ich nicht, aber scheinbar musste das so sein. Ein Taxiunternehmer hat gegenüber gewohnt, und wenn der seinen Dienst antrat, hat das nicht nur das ganze Grätzl gehört, sondern auch gerochen. Tagsüber konnte man das am besten beobachten, denn beim Startvorgang wurde die halbe Gasse schwarzgrau. Und diesen Geruch kennen vermutlich heute nur noch wenige Menschen. Ich kann mich sogar noch erinnern, als sich eine Mutter mit Kinderwagen aufgeregt hat, weil er just in dem Moment gestartet hat, als sie mit dem Baby vorbeigefahren ist (Schrägparker, Auspuff zum Gehsteig). Dazu muss man aber wissen, dass sie sich gar nicht wegen des Kindes aufgeregt hat, sondern wegen ihres hellen Kleids – die Kinderwagen damals waren mindestens einen halben Meter höher. Wir hatten damals also jede Menge Grobstaub, also so richtigen Staub, den man auch bemerkt hat. Feinstaub war bestimmt auch jede Menge dabei, bloss wars kein Thema, schon gar kein politisches.

Szenenwechsel:

Aus sämtlichen Fabrikschloten stieg unheimlich viel Dreck in die Luft, Spitzenreiter war Linz, der gelernte Wiener hat auf dem Weg von Wien nach Kitzbühel ab St. Valentin bis Sattledt Gas gegeben, um den Gestank möglichst schnell zu durchfahren. Auch da war nie auch nur der Gedanke an Feinstaub im Raum, bloss Gestank, so nach faulen Eiern eben oder was ähnliches. Der nächste Ort, um nochmal Gas zu geben, war dann (und ist es bis heute) Steirermühl.

Irgendwann wurde dann von den Grünen durchgesetzt, dass alle Autos, alle Fabriken etc. Filter haben müssen, und nur ein paar Jahre später kommt dann die Panikmache um den Feinstaub, den es scheinbar vorher gar nicht wirklich so dramatisch gegeben hat. Ich habe eine HTL besucht, und wenn ich mir das Prinzip von Auspuffanlagen oder Schornsteinen so überlege, ist Feinstaub logischerweise eine Folge von Filtern, denn irgendwas MUSS hinten rauskommen ;-)

Ok, man kann jetzt natürlich weiter schlussfolgern:

  • Argument 1:  Den Feinstaub gab es neben dem Grobstaub auch schon, nur wurde er eben nicht gesehen, gespürt oder gerochen.
  • Argument 2:  Es gab damals noch nicht soviele Verursacher von Feinstaub, vor allem nicht soviele Autos.

Jetzt fällt dem umtriebigen Leser diversester Magazine allerdings auf, dass ausgerechnet in Zeiten grösster Industrieproduktion und Motornutzung seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, die weltweiten Temperaturwerte um ein paar Grad gesunken sind, stets auch, wenn grosse Vulkane ausbrechen, die im Übrigen bei einem Ausbruch mehr Dreck in die Atmosphäre schleudern als alles, was der Mensch so in 10 Jahren nur verbrennen kann. Es fällt auch auf – das mag andere Gründe haben – das Menschen, die in der zeit der Industrialisierung und der Weltkriege aufgewachsen sind, immer älter werden. Auch wenn das die Errungenschaften der Medizin sind, der Feinstaub, den sie im WK2 und danach beim Wiederaufbau inhalieren mussten, hat sie jedenfalls nicht jünger sterben lassen. Überhaupt ist nicht abzusehen, ob die demografische Entwicklung wirklich weiterhin so steil nach oben geht, oder sogar eventuell wieder den Retourgang einlegt? Egal, für mich besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen Staub und Wetter. Wenn in Zeiten hoher Luftverschmutzung die Welt kühler wird, und in Zeiten der Filteranlagen über Feinstaub und Klimaveränderung gejammert wird, sollten sich eventuell die Verantwortlichen mal an der Nase packen und sich fragen, ob sie nicht einen falschen Weg aus hehren Absichten eingeschlagen haben, und vor allem, ob sie derartige Wege auch noch weitergehen wollen? Das ist überhaupt so eine Sache: Erst den Biosprit grossartig als den Retter in der Not propagieren und sich schlussendlich aufregen, dass das Getreide teurer bzw knapp wird. Erst Filter und Kats verlangen, und dann über Feinstaub und Klimaveränderung jammern? (Und ich schreibe absichtlich nicht Klimakatastrophe, im Grunde genommen ist es bloss eine Klimaverschiebung, und die gabs schon oft).

Wie gehts jetzt weiter?

Jetzt werden Elektroautos gefordert, ok, würde mich schonmal interessieren, so einen E-Ruf zu testen. Aber bei der Aussage, dass bei 20% E-Autos der Strombedarf “nur” um 2% steigen würde, wäre ich schon wieder vorsichtig, denn bei 100% (und das wäre das Traumziel der Grünen), sind es dann schon 10% (wenn diese Angaben überhaupt stimmen). Und das wiederum wird vermutlich – zumindest im Moment – nicht an AKWs vorbeiführen, und/oder an jeder Menge Wasserkraftwerken uä….

Wenn dann wiedermal was passiert in den AKWs, haben wir wirklich Staub, den wir fürchten müssen – sehen, riechen und schmecken können wir den allerdings auch nicht ;-)

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3 Kommentare
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  1. lieber andy,

    na klar – dann diskutieren wir auf deinem blog :-) – ist aber jetzt nicht nur thema feinstaub…

    also… meine sicht: das mit fein- und grobstaub, yes… da hast du sicher recht. das sichtbare wurde rausgefiltert im glauben, damit das problem gelöst zu haben – und dementsprechend wurde mehr unsichtbarer feinstaub produziert.
    feinstaub & wetter….? also feinstaub & lunge ist eher das problem. bzw… meiner meinung nach das hauptproblem ist der mix aus diversesten schadstoffen in der luft gemischt mit strahlenbelastungen, lärm, chemikalien im essen & ein leben, das immer stressiger wird (größer, höher, weiter). und wir alle schwimmen mit drinnen – natürlich auch die grünen. dass das alles nicht gesund ist – dafür brauch ich keine wissenschaftliche studie.

    aufgrund des medizinischen fortschritts werden die leute trotzdem älter – und sterben halt an was anderem. aber wenn du dir anschaust, wie viele kinder unter welchen krankheiten leiden, die’s früher nicht bzw. kaum gegeben hat (neurodermitis, asthma…), dann ist es doch auch bedenklich für die zukunft der menschheit!
    jetzt kannst du natürlich sagen, das ist die “natürliche auslese” und “die menschheit wird sich schon anpassen”. mein zugang ist halt doch eher, dass wir die umwelt wieder an unsere wirklichen bedürfnisse anpassen sollten.

    elektroauto & erneuerbare energien gehört nur zum teil zu diesem thema. es ist mir schon bewusst, dass es schwer greifbar ist, dass eine umstellung auf 100 % erneuerbare möglich ist – auch im bereich der mobilität. aber – letztlich bleibt uns gar nix anderes übrig, als früher oder später umzustellen! und je früher wir das machen, desto eher können wir den klimawandel (der auch so schwer vorstellbar und greifbar ist) zumindest in grenzen halten. die bisherigen ansätze bei den erneuerbaren waren leider etwas halbherzig – volle konzentration auf biomasse (sogar für die mobilität), als würds nix anderes geben. dass es doch grenzen gibt, haben wir (und vor allem die menschen in den “entwicklungsländern”, denen das essen wegen mais und palmöl als biomasse knapp geworden ist) dann relativ rasch gemerkt.
    erneuerbare funktionieren – vor allem im mix! wie viele dächer kennst du, auf denen keine solaranlage angebracht ist? und warum ist das so? warum heizen wir unser wasser mit gas/öl/holz auf, wenns doch die sonne genausogut machen kann? und für die paar tage ganz ohne sonne brauchen wir eben dann biomasse… auch im wind steckt noch eine menge potential – wie viele neue windparks kennst du? klar – gibt auch probleme mit dem wind – aber ein wka hätt ich um vieles lieber neben der haustür stehen als ein gaskraftwerk… undundund. 100 mio extra für die gebäudesanierung können leider nicht zusammengekratzt werden – die verschrottungsprämie kostet 125 mio – kommt halt einer anderen sparte zugute…

    was den mehrbedarf an strom für elektroautos betrifft: 10 % bei 100 % umstellung – ich nehme an, du weißt, dass der strombedarf in den letzten jahren um je 2-3 % gestiegen ist (hauptsächlich wegen der klimaanlagen).

    klimawandel/klimaverschiebung – ich bin auch in einem alter, in dems mich nicht mehr so treffen wird – aber meine kinder müssten mich täglich dögeln, wenn ich derart offenen auges in ihr unglück rennen würde.

    lg
    eli

  2. Mit einem derart ausführlichen Kommentar habe ich nicht gerechnet, der ist ja länger als Deine Posts im eigenen Blog ;-)

    @Feinstaub un Wetter?
    Du missverstehst das vielleicht, ich meinte, dass der Grobstaub als natürlicher Schutzschild gegen zuviel Sonneneinstrahlung fehlt. Vor lauter Angstmacherei um die Haarsprays in den 80ern und Filtern etc wurde einfach nicht daran gedacht, dass eine zu saubere Luft auch mehr Sonnenwärme bis zum Boden kommen lässt. Man könnte also bösartigerweise sogar annehmen (und zwar solange, bis der Gegenbeweis angetreten wird), dass ausgerechnet die Grünen daran schuld sind, dass sich das Klima verändert.

    @Allergien:
    Seien wir mal ehrlich, in Zeiten, wo das WC sauberer ist als die Küchenplatte, darf es niemanden wundern, wenn die Kinder anfälliger werden gegen jederlei Art von Infektionen, Bakterien und Allergien. Dafür schütten wir millionen Tonnen Desinfektionsmittel in den Gulli. Chemikalien im Essen ist natürlich ein Thema, da gebe ich Dir recht, denn wie oben kurz angerissen, glaube ich nicht, dass die jetzige Jugend das Alter meiner Grosseltern oder Eltern erreicht, ich glaube noch nichtmal, dass wir selbst so alt werden – unser aller Leben ist schon lange viel zu ungesund! Aber gar nicht nur wegen Fast-Food oder übertriebener Hygiene, sondern weil wir de Zeit als Faktor ignorieren. Kennst Du das noch, als man einfach nicht erreichbar war und trotzdem niemand böse war?

    @Verschrottungsprämie:
    Finde ich absolut vertrottelt, gerade in Zeiten einer Finanzkrise, wenn das eigene Land noch nichtmal Autos herstellt. In Deutschland mag das Sinn machen, denn dort gibt es viele Autohersteller. Es weiss zwar kaum jemand, aber als Unternehmer kannst Du in deutschland bis zu 50% abschreiben, wenn Du ein deutsches Auto kaufst als Firmenwagen, dann kostet Dich ein neuer Audi halt statt 100.999 nur knapp 50.000, der Privatmann kann das nicht, deshalb jetzt diese Alibiaktion. Weshalb die das jetzt in AUT auch übernehmen, ist mir schleierhaft, wenn dann durchaus gebrauchstüchtige Autos gegen neue ausgetauscht werden ohne wirklich nachhaltigen Sinn?

  3. :-)
    wetter@staub: na der fehlende grobstaub wird eh durch den feinstaub ersetzt ;-)
    vielleicht solltest du deine theorie mal der frau kromp kolb übermitteln… ich hatte sie zwar in meinem msc-lehrgang zum thema meteorologie ( und klimawandel eh klar) ein paar stunden lang genossen… bin aber überzeugt davon, dass sie zur diskussion deiner theorie besser geeignet ist ;-)

    @ allergien und zeit
    yes… einerseits werden die kinder viel zu oft “desinfiziert” – aber ich denk schon auch, dass noch nie in der menschheitsgeschichte so viel “dreckzeugs” in der luft & nahrung war. und dazu kommt der zeit/stressfaktor. das wissen wird immer mehr – und in wirklichkeit musst du dich immer mehr “auf deinen bauch” verlassen – weil letztlich liegt die entscheidung, wem du was glaubst und welche prioritäten du setzt, an dir.
    wie alt wir werden? hmmm… werd ma wohl sehen (zum glück können wirs noch nicht ausrechnen)

    @ verschrottungsprämie:
    ja, ist einfach ein voller sch… vor allem auch deshalb, weil das reparieren alter autos ja eigentlich auch arbeitsplatzsicherung ist. die prämie ist also eher eine umverteilung von einer (regionalen kfz-mechaniker) sparte zu einer andern (globalen autoindustrie) sparte. wirtschaftlich unüberlegt – und ökologisch sowieso

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